Eigenkapitalfinanzierung der Deutschen Bank

Datum: 13.11.16

Eigenkapitalfinanzierung der Deutschen Bank im Fokus

 

Von Dr. Andreas Beyer

 

Seit vielen Jahrzehnten ist die Deutsche Bank als verlässliche Dividendenzahlerin bekannt. Am 28. Oktober 2015 verkündet der neue Co-Vorstandsvorsitzende John Cryan, seit weniger als vier Monaten im Amt, den Ausfall der Dividende für 2015 und 2016. Nachdem kurz nach Bekanntgabe des Vorstandswechsels die Aktie in der Folge geradezu freundlich mit einem Anstieg von über 10% auf über 30 € reagiert hatte, befindet sie sich seitdem auf Sinkflug und markierte im Oktober 2016 mit unter 10 € einen Rekord-Tiefststand.

 

Maßgeblich beigetragen zu diesem Tauchgang hat die Diskussion über die Höhe der Belastungen aus Rechtsstreitigkeiten. Immer wieder wurde öffentlich diskutiert, ob die Höhe der Prozess-Rückstellungen per Ende 2005 in Höhe von 8,9 Mrd. €, davon 4,0 Mrd. € Rückstellungen für Regulierungsbehörden, ausreichend wären, um das US-Justizministerium zu befriedigen. Auch in anderen Bereichen machte die Bank keine glückliche Figur. Ein Skandal jagte den nächsten. Mit dem Dividendenausfall wollte John Cryan die Aktionäre früh auf die bevorstehenden mageren Zeiten einstimmen. Doch war dies klug?

 

Im Hinblick auf Ehrlichkeit, wie es um die Bank wirklich steht, ist diese Frage mit Ja zu beantworten. Doch wie ist dies zu sehen in Bezug auf die künftige Stabilität der Bank? Immerhin waren die Problembereiche analysiert, siehe die drei Adhoc-Meldungen, die die Bank im Oktober 2015 veröffentlichte. Per Ende 2015 betrug die Verschuldungsquote der Deutschen Bank, im Fachjargon Leverage Ratio genannt - bei Nichtbanken ist das gemeinhin die Eigenkapitalquote (!) - bei mickrigen 4,1% (2014: 4,2%). Um die EK-Quote von 3,3% (Ende 2013) auf über 4% zu hieven, war 2014 bereits eine bedeutende Kapitalerhöhung im Juni mit einem Bruttoerlös von 8,5 Mrd. € erforderlich (Bezugsrechtsemission 18:5 zu 22,5€). Nunmehr sollten die Aktionäre durch einen Dividendenverzicht einen Beitrag zur EK-Verbesserung leisten.

 

Nun darf man sich angesichts der vielseitigen Problemlage der Bank schon fragen, warum der neue Vorstand keine Kapitalerhöhung nach Offenlegung des Status im Herbst 2015 auf der Agenda hatte. Eine Refinanzierung wäre wohl mit einem Aktienkurs von über 20 € locker durchführbar gewesen. Heute freilich undenkbar. Der Zug ist abgefahren. Aber: in diesen Tagen wird aus guten Gründen erneut über eine Kapitalerhöhung bei der Bank spekuliert. Nur, jetzt sind die Konditionen deutlich schlechter. Und viel wichtiger: Die Bank hat Vertrauen und Glaubwürdigkeit verloren. Ihre finanzielle Stärke und Stabilität werden öffentlich in Zweifel gezogen.

 

Eine Kapitalerhöhung wäre also bereits im Vorfeld dringend angezeigt gewesen. Man hätte die Aktionäre durchaus bei Laune halten können, hätte man nicht einen Dividendenausfall angekündigt. Eine Kürzung der Ausschüttung von 0,75 € auf vielleicht 0,50 € pro Aktie hätte es auch getan. Dann hätte sich eine junge Aktie bei einem Ausgabebetrag von 20 € mit 2,5% rentiert. Das wäre auch angesichts der Problemfälle von vielen Investoren als versöhnlich eingestuft worden. Man darf davon ausgehen, dass die neuen Aktien vom Markt absorbiert worden wären.

 

Der zweimalige Dividendenverzicht (gerechnet mit 0,50 € pro Aktie) bringt der Bank knapp 1,4 Mrd. € zusätzliche Eigenmittel. Eine Kapitalerhöhung hätte mindestens 7,7 Mrd. € in die Kassen gespült, unterstellt man ein identisches Verhältnis der vorherigen Maßnahme. Mehr wäre besser gewesen, bei 2:1 wären 14 Mrd. € erzielt worden. Eine Kapitalerhöhung 2:1 zu 10 € würde heute lediglich 7 Mrd. € bedeuten. Vergegenwärtigt man den Vergleichsvorschlag des US-Justizministeriums von 14 Milliarden US-Dollar) erkennt man das wahre Ausmaß der Unterfinanzierung der Deutschen Bank.

 

Um allgemeine Ängste zu vermeiden, steht die EK-Quote bei Veröffentlichungen ohnehin nicht im Vordergrund. Die Bank verweist vielmehr auf die harte Kernkapital-Quote (CET 1) in Höhe von 11,1 % (Stand 09/2016). Um auf diesen höheren Wert zu kommen, werden die gewichteten Risikoaktiva als Nenner verwendet und nicht die Bilanzsumme. Derzeit müssen beispielsweise bestimmte Staatsanleihen – auch keine Griechenland-Bonds - nicht (!) mit EK unterlegt werden. Für die Deutsche Bank bedeutet dies: Um auf eine EK-Quote von 11% zu kommen, müssten eine Billion (!) Euro aus der Bilanz eliminiert werden. Beurteilen Sie selbst, ob diese eine Billion Euro tatsächlich ohne Risiken sind.

 

Eine Kapitalerhöhung ist also weiterhin unausweichlich, allerdings haben sich die Konditionen deutlich verschlechtert. Der Marktwert der Bank lag Ende September bei 16 Mrd. €. Um Stabilität im Ansatz zu erreichen, ist gar eine Kapitalerhöhung von 1:1 und darüber hinaus erforderlich.

 

Die komplette Streichung der Dividende kann man also im Nachgang als strategischen Fehler ausmachen. Die Alternative Kapitalerhöhung mit reduzierter Dividende wäre die bessere Alternative gewesen. Sie hätte der Bank die dringend erforderliche Sicherheit gebracht. 


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